Reisebeschreibung „Gestütsweg“ - geritten und gefahren vom 14.09. bis 18.09.2010  
ca. 190 Kilometer

Die Vorbereitungen für diese tolle Aktion – Buchung der Unterkünfte und Pferdeboxen auf den jeweiligen Streckenabschnitten sowie die Begleitung des Trosses mit dem Auto, um die Versorgung mit dem Gepäck, Futter für die Pferde, Pausensnacks und –drinks sicherzustellen, wurden von unserem Freund Zabel getroffen. Natürlich gibt es von ihm auch schöne Fotos dieser Reise!
Von Zabel wurden wir auf der ganzen Strecke mit dem PKW begleitet und konnten so abends unsere Autos und Anhänger zu der jeweiligen Station nachholen. Das erwies sich als ausgesprochen praktisch, so brauchten wir nur das Notwendigste auf der Kutsche zu transportieren und mussten am Ende der Reise nicht von Redefin aus den weiten Weg zum Landgestüt Neustadt/Dosse zurückfahren.

 

Los geht’s am 14.09.

Wir fahren bei strömenden Regen nach Neustadt/Dosse. Natürlich hätten wir uns Sonnenschein gewünscht, aber alles war gebucht und organisiert und so ließen wir uns die Laune nicht verderben.

 

Bei strömenden Regen wird dann auf dem Landgestüt Neustadt/Dosse auch gesattelt und angespannt und los geht’s.

 
 
Auf den schönen Wegen verliert ein Reitpferd ein Eisen und die Bremse der Kutsche geht kaputt. Das fing ja gut an! Mit der kaputten Bremse an der Kutsche bekamen wir bei der Abfahrt einer sehr steilen Bahnüberquerung Probleme, als der Wagen  „Mona“ und „Erich“ – beide erfahrene Fahrpferde der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg - in die Hinterbeine rollte und beide Pferde durchgingen.

 

     
 
Das war eine flotte Fahrt – glücklicher Weise blieben die Reitpferde ruhig und gelassen, so dass sich wenigstens nicht alle Pferde ein Rennen lieferten.

Es herrschte zum Glück kein Verkehr auf der Straße, so dass wir über die Gegenfahrbahn auf eine Grünfläche lenken konnten, auf der das Gespann dann zum Stehen kam.

 

Bald darauf erreichten wir unsere erste Station in Bendelin bei Familie S..
Nette Leute, Frau S. ist sehr um uns bemüht – der Sohn ist „gelernter Beamter“ und sehr wichtig.

Hier konnten wir die nassen Sättel, Geschirre, Jacken, Stiefel usw. in einem geheizten Raum trocknen. Wunderbar!!

Nachdem eine Teilnehmerin geduscht hatte, ließ der Wasserdruck in Bendelin nach und bald versiegte das Wasser ganz.

Kein Problem für Frau S., die uns abends Eimer zum Nachspülen in die Ferienwohnung brachte.  

Zitat: Gott sei Dank, es hat geregnet! 

15.09.

Am nächsten Morgen war alles wieder gut, jeder konnte duschen, die Bremse der Kutsche war schnell repariert, leckeres Frühstück und weiter ging es bei strahlendem Sonnenschein über fast 50 Kilometer Wegstrecke nach Wittenberge!

 

 

40 Kilometer davon nur allerbeste Reit- und Fahrwege in unendlich scheinenden Waldgebieten!!!  

Unterwegs werden wir von unserem Coach mit Snacks und Getränken versorgt.

 

  

Dann geht es Richtung Wittenberge an der Elbe.

 

 
Stadt, Stadt, Stadt – die Unterkunft befindet sich mitten in Wittenberge bei Familie N.. 

Ein Kulturschock für alle Beteiligten – so was noch mitten in Deutschland – wir trauen unseren Augen nicht.

Ein enger Innenhof mit daran anschließendem Pferdestall aus längst vergangenen Zeiten.

 

Wir besichtigen unsere Unterkunft – oje oje: 5 Leute auf 16 qm, eine Dusche für alle 7 Teilnehmer.

 

Da an diesem Tag uns das schöne Wetter nicht verlassen hatte, planten wir, abends zu grillen. Es war unmöglich, denn der Hof kam zwecks Gerümpel und umherstehender Müllsäcke auf keinen Fall in Frage und eine andere Möglichkeit war nicht geboten. Überall befanden sich Hühnergehege und an den Wänden waren Taubenverschläge angebracht.  

So erkundeten wir, nachdem die Pferde versorgt waren, die Stadt Wittenberge und fanden eine nette Gastwirtschaft! Es handelte sich hierbei um das „Tollhaus“ der Familie Tollkiehn (beide Schleswig-Holsteiner - aus Kiel und Bad Segeberg). Das Essen war sehr gut, es gab viel zu erzählen und wir genossen die Stimmung. 

Anschließend ging’s auf’s Matratzenlager.  

16.09.

Zum Frühstück am nächsten Morgen wurden wir in die Küche gebeten. Diese erreichten wir durch einen Wintergarten voller Vogelkäfige und Gerümpel.  

Der Tisch war allerdings ordentlich gedeckt und es fehlte an nichts. Bei der angebotenen selbstgemachten Marmelade dachten wir an die Müllsäcke im Hof mit Obstresten vom Markt, die nach Aussagen von Frau Nickolai an die Hühner und Tauben verfüttert werden!!!

Wir spannen Mona und Erich an und verlassen die Stadt Richtung Gestütsweg. Die Reitpferde haben wir verladen und zu einem Treffpunkt außerhalb der Stadt gefahren.

Am vereinbarten Treffpunkt in Weisen geht es bei sehr schönem Wetter – strahlender Sonnenschein – weiter entlang des Gestütswegs Richtung Mecklenburg. 

An diesem 3. Tag ist erstmalig eine Kutsche aus entgegenkommender Richtung in Sicht. Was für Leute! Sie waren nach eigenen Angaben schon tagelang unterwegs und erzählten von kaum passierbaren Streckenabschnitten im Wald. Sie wären an den Schranken im Wald vorbeigekommen, aber ob wir das wohl auch schaffen ......  

Ankunft bei unserer dritten Station, der „Alten Schmiede“ in Eldenburg.  

Wir sind baff – ein schön renoviertes Haus mit 500 qm Wohnfläche für uns ganz alleine!!! Da ist die Unterkunft in Wittenberge schnell vergessen.

In 4 Kilometer Entfernung finden unsere Pferde bei Herrn Kusel ein prima Quartier, nachdem sie sich zunächst von den Strapazen der vorangegangenen Tage auf einer saftigen Weide vor unserem Haus ausgiebig erholt hatten. 

Abends grillen wir auf der Terrasse mit Live-Musik aus einem benachbarten Anbau. Wir lassen die Geschehnisse Revue passieren, essen Steaks, es wird sogar noch getanzt, aber letztendlich gehen doch alle früh zu Bett!

 

 
 

17.09.

Im Erdgeschoss tanzt die Frühstücksfee. Lecker! Weiter geht’s. Strahlender Sonnenschein, herrliche Landschaft –
mindestens 112 Prozent!!!


 
10:30 Uhr: Wir fanden es nicht zu früh, um an diesem schönen Tag den ersten Prosecco zu uns zu nehmen.  

Auf einmal GÄNSEHAUT PUR!!! Ein pensionierter Oberförster spielt im Wald das Jagdhorn nur für uns. Das Horn glänzt in der Sonne. Unbeschreiblich! Wir begrüßen uns und weiter geht es durch den Wald.  
 
 
Irgendwann erreichen wir eine Abzweigung, ein uniformierter Herr steigt aus einem OPEL-Geländewagen, Schlips und Kragen, er kommt forschen Schrittes auf uns zu – wir sind in Sorge, etwas verkehrt gemacht zu haben!
 
 
Aber er ist freundlich, stellt sich als Oberförster Reginald Rink vor, freut sich, dass der Gestütsweg von uns angenommen wird und begleitet unseren Tross etwa 2 Stunden lang, nicht ohne uns schöne Reitwege zu zeigen.
 
In Neu-Göhren trennen sich unsere Wege und ab geht’s im Galopp eine Traumstrecke entlang des Elde-Kanals.
 
Nichts ist unmöglich, meint Reiner, und steigt über die Deichsel abwechselnd auf die Fahrpferde, um diese zu reiten.
 
Ankunft nach gefühlten 2 Stunden – die Zeit vergeht im Fluge – auf dem Reiterhof am Steinberg. 

Frau Giese stellt uns auf dem Hof ein komplettes Haus, ausgestattet mit sehr schönem Mobiliar, zur Verfügung. Die Pferde bekommen Boxen zugewiesen und wir besichtigen den Hof. Die Eheleute Giese waren ganz aktive Fahrer und die Anlage lässt den Glanz vergangener Zeiten noch erahnen.

 
 


18.09.

Frühstück in der Reiterklause, Frau Giese zeigt Bilder von früher, als ihr Mann noch sechs- und achtspännig gefahren ist. 

Der Abschied ist herzlich, selbst der Hausherr – von schwerer Krankheit gezeichnet – lässt es sich nicht nehmen, hier anwesend zu sein.

 

Die restlichen 25 Kilometer bis Redefin liegen vor uns. Wir genießen die Landschaft und sind ein wenig stiller in dem Bewusstsein, dass diese schöne Tour heute ihr Ende finden wird.

 

Fotos vor dem Gestütsportal, Rückfahrt bei strömenden Regen. Wirklich – die Sonne begleitete uns von der ersten Station bis zum Ende, aber die Rückfahrt war kaum angetreten, da hatten wir den Regen wieder.

 

 

Zu Hause wurden wir schon erwartet. Zur Begrüßung auf dem Hof gab es Kaffee und Kuchen, die Zurückgebliebenen hatten uns prima während unserer Abwesenheit vertreten und konnten kaum glauben, dass wir fast ausschließlich schönes Wetter hatten.

Es war soooo schön!!!! 

 

Anzumerken ist, dass wir die ideale Reisezeit für diese Unternehmung gewählt hatten, denn diese Landschaften, geprägt von endlosen Wäldern, Heide und Moor, sind im Sommer wegen der Mücken und Bremsen wohl eine einzige Qual für Mensch und Tier, was uns später auch mehrfach bestätigt wurde.

 

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Jagdreiten 28. september